Traum und Terror. Ein virtuelles Lustspiel



Wenn Stanislav Lem, Jiddu Krishnamurti, Vladimir Sorokin, Albert Camus, Joseph Beuys und diverse andere Denker mit computergenerierten Stimmen aufeinanderstoßen und sich mit flächigem Sound mischen, wenn die Netzhaut mit flimmernden  Videoprojektionen bedeckt wird, wenn klitzekleine Modellbaulandschaften riesengroß an die Wand gestreamt werden, wenn bezähmende Lust am Provozieren, der Hang zum Extremen oder eine tiefe Sehnsucht nach Allmacht spürbar wird, wenn düstere Filmfragmente aus einer dicht besiedelten unterirdischen Stadt in China gezeigt werden

Beste Suchanzeige des Jahres 2013 !!!


Hier nun die bahnbrechende Suchanzeige der Kammerspiele, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde (und nach unserem Unmut eilig wieder gelöscht wurde):
 

Betreff: Die Münchner Kammerspiele suchen für eine Kunstinstallation Frauen oder Männer im Alter von 27 - 70 Jahren

Die Münchner Kammerspiele suchen für eine Kunstinstallation Frauen oder Männer im Alter von 27 - 70 Jahren aus dem türkischen, persischen, arabischen, muslimischen oder afrikanischem Kulturkreis.

Der Proben- und Aufführungszeitraum ist vom 26. Mai - 15. Juni 2014.

Bezahlung für diesen Zeitraum sind 80 Euro netto pro Tag, also ca. 1440 Euro für den ganzen Produktionszeitraum.

Vorraussetzungen sind Grundkenntnisse im Deutschen oder Englischen, eine gute körperliche Verfassung, da während der Produktion 6-8 km täglich gelaufen werden müssen und im Idealfall Interesse für darstellende Kunst oder Theater.

Die Treffen mit dem Regisseur ........... finden schon heute, 31. Oktober um 18 Uhr oder morgen Freitag, 01. November um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist der Bühneneingang der Münchner Kammerspiele, Falckenbergstraße 2, 80539 München.
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Und hier die Kommentare auf Facebook:

Politischer Islam - Reaktionäre oder emanzipatorische Bewegung?

migratenstadl-Autor Imad hat sich mal wieder auf fremdes Territorium vorgewagt und den Politischen Islam vorgeknöpft. Seine Thesen dazu findet ihr bei der freiheitsliebe.Viel Spaß!

Palästinenser in Jerusalem - Warum sie nicht wählen gehen

Unser Palästinakorrespondent Sobhi Khatib* hat sich Gedanken über den Wahlboykott der Bürgermeisterwahlen Jerusalems durch die Palis gemacht... Obwohl sie sich durch den Boykott das Leben selber schwer machen, ist er ein wichtiges Puzzlestück im friedlichen Kampf gegen die israelische Besatzung. Aber lest selbst! 

von Sobhi Khatib

Jerusalem hinter Gittern

Stürzenberger: Ein Politscher Errorist

Eine knallharte Prosa-Reportage von Atdhe M.*



Es ist Herbst und die Bäume zeigen mir mit ihrer Farbenpracht wie bunt München doch ist. Vögel zwitschern, es duftet nach heißer Schokolade und Kinder tanzen lachend auf den Straßen. Und dann: Michael Stürzenberger. Er steht mit Mikrofon am Harras und seine Engelsstimme zieht mich magisch an. Erfreut höre ich zu wie er den Islam in höchsten Tönen lobt: Er vergleicht den Koran mit „Mein Kampf“, also einem Buch, das so wertvoll ist, dass sich Bayern bis heute die Rechte gesichert hat. 

Songs of Gastarbeiter ― Duyduk duymadık demeyin, dinleyin!



Der Berliner Künstler Imran Ayata und der Münchner Künstler Bülent Kullukcu haben bei Trikont eine Compilation herausgebracht, die genau 1 Stunde 5 Minuten und 33 Sekunden durchgehend für Gänsehaut sorgt. 14 Tracks, 2 Remixes, ein herrliches Essay in 8 kleinen feinen Kapitelchen aus der Feder von Imran Ayata und ein glanzvolles Cover. Eine einzigartige Liebeserklärung, eine „Respektnote“ an die Gastarbeiter, an die Musiker unter ihnen und deren Songs, die wir aus den abendlichen Kölün-Radio-Sessions unserer Eltern zu kennen und zu lieben gelernt haben. Die CD ist ein wahres - hin und wieder melancholisches - Vergnügen für alle Sinne. Angefangen mit dem Alpencover, das die Hörer bereits visuell in die bergige Landschaft Anatoliens versetzt, darf man sich neben Cem Karaca, Selda und Gurbetçi Rıza auf weitere Tracks von weniger bekannten aber nicht weniger genialen Musikern freuen. 

Aktueller Bericht aus der Buchmesse Frankfurt


BAM BAM. POW POW!! We proudly present the latest book of Imad Mustafa: Der Politische Islam. Zwischen Muslimbrüdern, Hamas und Hizbollah, published by PROMEDIA






Mehrwöchige Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, leben unter Muslimbrüdern, Expertengespräche mit Funktionären und politischen Führern, Studium aller Parteiprogramme und programmatischer Literatur. Und dann: die Übersetzung ins Deutsche! Erstmalig und einzigartig. Anlässlich dieser literarischen Geburt meines Blogkollegen Imad Mustafa habe ich ein Interview mit ihm geführt. Man möge sich Tee einschenken und weiterlesen.

Biogemüse, Dönerfleisch und Hackfresse. Skandaltheater um Migration!

Preisfrage: Erzählt dieser Hirsch nun Geschichten aus den Alpen oder aus Anatolien?

Ein Regisseur hat ein Projekt begonnen. Ein  Produktionsleiter hat einen Rundbrief geschrieben. Ein Kulturunternehmer hat eine Pressemitteilung verfasst. Und seit Tagen halten die Aufstände an, die ein Projekt der Münchner Kammerspiele zum Thema Migration auslöste. Wer ist der Migrant, wer ist der Fremde, und was haben die ganzen Dönerfresser damit zu tun? Ich sprach mit der Regisseurin Christine Umpfenbach, eine gebürtige Ausländerin, die sich seit 2006 in ihren Theaterarbeiten mit Migration und Flucht beschäftigt. Ein Einblick.

in eigener Sache: aus dem migrantenstadl Archiv





Das folgende Interview entstand im Juni 2013 anlässlich der Nominierung unseres Blogs zum Grimme Online Award. Der Text wurde damals auf queergewebt veröffentlicht und gibt einen kleinen Ein- und Ausblick in unsere Bloggeschichte... 


 
Provokant, ehrlich, politisch unkorrekte Wortwahl: “das migrantenstadl” mischt Politik, Kultur und Migration, bewegt sich bewusst in einer künstlerischen Dimension und zuweilen leicht dadaistisch am Rande der Verständlichkeit. Mit dem in der Kategorie Kultur und Unterhaltung nominierten Blog will Imad Mustafa gegen Vorurteile ankämpfen und die Medienlandschaft aus migrantischer Perspektive zeigen:



Was war der Anlass für die Konzeption Ihres Angebots?
Alles fing ganz simpel an. Meine Kollegin Tunay Önder und ich haben uns beim Studium kennengelernt und in unseren Abschlussarbeiten beide mit der medialen Darstellung von Migranten und Minoritäten beschäftigt, die unserer Meinung nach häufig zu negativ, einseitig und vorurteilsbeladen ausfällt. Oftmals wird nur über Ausländerkriminalität und nicht über positive Dinge berichtet. Beide sind wir selbst sogenannte Gastarbeiterkinder. Ich bin Sohn von Palästinensern, die in den 1960er Jahren nach Stuttgart kamen. Auch Tunays türkisch-tscherkessische Familie verschlug es damals hierher. Wir finden, dass viele von den ehemaligen Gastarbeitern noch zu sehr ein Nischendasein führen und die zweite Generation mit Problemen konfrontiert ist. Trotzdem erheben wir nicht den moralischen Zeigefinger und behaupten, so und so ist die Situation von Migranten in Deutschland. Wir wollen den Menschen aus dem migrantischen Dunstkreis nur etwas mehr Gehör verschaffen und zeigen, dass wir da sind und gar nicht so anders sind, nur bunter, aber eben nicht schlechter. Da wir beide einen akademischen Hintergrund haben, verfolgen wir einen künstlerisch angehauchten Ansatz.


Was und welche Zielgruppen wollen Sie erreichen? Das Migrantenstadl war unser erstes großes Ding im Internet, da wir keine Blogerfahrung besaßen. Unser Blog ist langsam mit der Zeit entstanden, wir haben allmählich dazugelernt und ein Gefühl dafür entwickelt, neue Inhalte gefunden. Facebook kam auch hinzu, wodurch wir noch mehr Leute erreichen. Unsere spezielle Ausdrucksweise besitzt schon eine gewisse Intention. Besser gesagt, ist sie ein bisschen Ausdruck unserer Verzweiflung  und unseres eigenen momentanen Lebensgefühls als Migrantenkinder in Deutschland. Manches kann man gar nicht mehr ernst nehmen, was hierzulande z.T. erzählt wird und passiert und dem wollen wir mit unserem Angebot die Stirn bieten. Wir dachten, es muss ein wenig Ironie, Sarkasmus her, um mit dem Thema Einwanderung und Migrantentum umzugehen. Die Zeit des Aufregens über Rassismus und Intoleranz ist vorbei. Unser “Stadl” hat daher etwas von “Selbsttherapie”. Tunay ist als Münchener Kind in Bayern aufgewachsen und dort sehr aktiv, daher die Namenswahl. Außerdem soll dadurch der gesellige Aspekt betont werden. Wir verbinden damit eine positive Metapher im Sinne von “Deutschland als Migrantenstadl”, als Einwanderungsland, und das ist auch gut so. Wir wollen betonen, dass es eben so ist. Unser Aktivismus hat auch praktische Gründe, denn wir wollen uns nicht verstecken. Die Gastarbeiter und ihre Nachkommen sollen nicht mehr als “Gäste”, sondern als wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft wahrgenommen werden. Dazu wollen wir beitragen. Über unsere eigentliche Zielgruppe hatten wir uns anfangs keine Gedanken gemacht. Sie ist bewusst nicht kategorisierbar. Wir selbst sind eher politisch-künstlerisch ausgerichtet, doch erst einmal gehört jeder, der uns liest, zu unserer Zielgruppe. Es ist schön, wenn Migranten, also Personen, die uns verstehen, zur Leserschaft gehören. Genauso freuen wir uns über deutsche Leser, die sich interessiert zeigen, aber auch kritisieren und bewerten.

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Nominierung erfuhren?
Das war ganz lustig. Ich wurde informiert und habe gleich versucht, meine Mitstreiterin Tunay Önder zu erreichen. Da sie nicht ans Telefon ging, mailte ich sie mit der Bitte um Rückruf an. Sie war gerade mit einer Projektarbeit in der Bibliothek beschäftigt, sah meine Anrufe in Abwesenheit und dachte natürlich im ersten Moment, es wäre etwa Schlimmes passiert. Als Tunay mich dann zurückrief und ich ihr die frohe Botschaft überbrachte, mussten wir beide lachen vor Freude und uns kam es total surreal vor. Wir hatten ja gar keine Ahnung, waren platt und aufgeregt. Wir kannten den Grimme Online Award bereits, er war uns vor allem durch das bereits ausgezeichnete MiGAZIN bekannt. Doch wir hatten in dieser Hinsicht niemals Ambitionen, sondern einzig daran gedacht, uns irgendwann einmal bei einer dotierten Preisausschreibung anzumelden, weil wir unser Projekt ja irgendwie finanzieren müssen. Das Ausmaß der Nominierung haben wir erst nach und nach realisiert und sehen es als riesengroße Ehre und Anerkennung. Es ist eine Bestätigung für das, was wir tun, und dafür, dass in dieser Hinsicht scheinbar Bedarf herrscht. Die Klickzahlen sind jedenfalls sofort in die Höhe geschossen, wir hatten einen neuen Rekord. Der gesteigerten Aufmerksamkeit sind wir uns durchaus bewusst, konsultieren uns jetzt gegenseitig intensiver vor jedem Post, schreiben aber immer noch, worauf wir Lust haben.


Was bedeutet die Nominierung für die zukünftige Entwicklung Ihres Angebots?
Inhaltlich wollen wir so bleiben, wie wir sind, keine Kompromisse eingehen. Da liegen wir im Zwiespalt, beziehungsweise das ist auch eine Art Dilemma für uns. Denn wenn wir das Ganze größer machen oder Inhalte stark auf Facebook & Co verlagern, befürchten wir, uns durch Integration von Werbung, angepasstes Design usw. weg vom gewohnten Nischen- und Underground-Dasein in Richtung Mainstream zu bewegen. Denn dann muss man ja eventuell auch repräsentativ für bestimmte Sachen sein oder sich irgendwie einschränken – und genau das ist es, was wir nicht wollen. Wir versuchen daher eine gute Balance zwischen Bekanntheitsgrad und Wachstum zu finden. Jetzt erhalten wir infolge der Nominierung schon vermehrt Anrufe von Unterstützern, Freunden und z.T. auch Journalisten, die mitmachen wollen oder uns Anregungen für die Gestaltung der Seite geben. Bisher sind unsere Co-Autoren aber alles Leute, die wir sehr gut kennen und denen wir vertrauen. Ein Blog ist ja stets ein persönliches Ding und man muss miteinander auskommen. Wir sind da also noch etwas verhalten. Keineswegs wollen wir den Partizipanten aber vorschreiben, was sie schreiben sollen. Bei uns soll es kein festes Programm geben, wichtig ist nur die Fähigkeit zur migrantischen Perspektive.


Wahlempfehlung:

Für alle, die heute wählen gehen, sich aber noch nicht entschieden haben zwischen den vielen guten und vertrauenswürdigen Optionen, -  hier ein überzeugendes Argument von Sebastian Atzni für die richtige Wahl: