NSU-Hinterbliebene sagt nein zu Gauck

Am heutigen Dienstag trifft sich Bundespräsident Gauck im Schloss Bellevue mit Angehörigen der NSU- Opfer. Nachdem er noch im November ein solches Treffen aus scheinbar mangelndem Interesse abgelehnt hatte, scheint es ihm nun politisch opportun zu sein.
Das Migrantenstadl dokumentiert im Folgenden den Offenen Brief von Aysen Tasköprü, Schwester des 2001 ermordeten Süleyman Tasköprü, in dem sie ihre Absage an dem Treffen begründet.

Theaterkritik: Liebe ist...kein Argument.




 Einigkeit um Recht und Freiheit? 

Text: Hakan Karakaya
Foto: Haydar Sokul

„Liebe ist... kein Argument“ heißt das Debütstück von Marianna Ölmez, das sie selbst geschrieben, inszeniert, produziert und darin die Hauptrolle gespielt hat.

Am 31.01.2013, dem Abend der Premiere, reiht sich die Kassenschlange der Pasinger Fabrik bis zur Eingangtür, mit buntgemischtem Publikum, das gespannt ansteht, in der Neugierde, ob die zahlreichen Vorankündigungen in Rundfunk und Print halten werden, was versprochen wurde.

Politik am Theater

Am 9.12. wird im Milla (München) darüber diskutiert werden, was für ein Theater wir eigentlich haben. Damit es schön heiss und feucht wird, hat der Münchner Kültürke Tuncay Acar wieder ein paar warme Worte einfließen lassen. Da öffnen sich die Poren, die Tiefenreinigung kann beginnen.
von Tuncay Acar

Ich unterstelle dem hiesigen Kulturbetrieb, dass es bei der Nutzung der Begriffe und Phänomene "Migration", "Kulturelle Vielfalt" in Förderanträgen und Programmabläufen in der Regel nicht um die Phänomene an sich geht, sondern oft nur um ihren momentanen Hipnessfaktor, der durch ihre politische Relevanz und Präsenz gegeben ist.
Also erklärt man die Leid zur Tugend und nutzt die Gelegenheit dazu, mit eher ausgefallenen Inhalten (mit denen man sich ja wegen kulturpolitischen Vorgaben leider beschäftigen muss) etwas Leben ins verknöcherte Repertoire zu bringen.

Die Dringlichkeit liegt sozusagen nicht im Thema selbst, sondern darin, der inneren Leere der lokalen Hochkultur zu entfliehen, - im Rahmen eines gesellschaftspolitisch abgesicherten Manövers. Gleichzeitig aber, und das ist der wesentlich wichtigere Punkt, kann man dadurch die Erfolgsquote bei Förderanträgen alleine durch die Nennung dieser Begriffe prozentual um einiges erhöhen.

Das Thema an sich, also die relevanten Inhalte und der Umgang mit ihnen ist - Allah möge es ihnen verzeihen - im deutschen Kulturbetrieb oft nebensächlich. Und von Nachhaltigkeit keine Spur. Dies führt dazu, dass nach Jahrzehnten der Rede vom "Öffnen der Kulturbetriebe zur Gesellschaft hin" eher eine allgemeine Entwicklungsstagnation fortfährt.
 
>>Wir machen sehr wohl 
Politik<<

Erhebt man den Anspruch auf eine Spiegelung der heterogenen Gesellschaft im deutschen Kulturbetrieb, der in den gesellschafts- politischen Vorgaben bereits gefordert wird, redet sich mancheiner heraus mit dem Verweis auf einen hohen künstlerischen Anspruch, der dem kulturpolitischen Anspruch vorangestellt werde: "wir machen Hochkultur, nicht gesellschaftlich relevante Kulturpolitik" (Zitat eines Dramaturgen, der gerade bei den Kammerspielen ein Stück betreut). Dann muss man aber auch im Klartext sagen: "Wenn wir zu viele Migrationsvorderhintergründler, Moslems, Menschen mit dunkler Hautfarbe, Flüchtlinge, Asyltrallalla etc. in selbstbestimmter Art in die Strukturen des Kulturbetriebes eingreifen lassen, dann gefährden wir unseren hochkulturellen Anspruch zu sehr. Das können wir uns nicht erlauben".  Ich finde diese Haltung unverschämt!

Ausserdem muss man an dieser Stelle den VertreterInnen der grossen Deutschen Kulturinstitutionen klarmachen, dass sie sich auch in einem weiteren Punkt gewaltig irren. Denn wir machen alle sehr wohl Politik! Alleine die Verwendung des Begriffes 'Hochkultur' ist die Ausübung von Politik, denn es spiegelt eine politische Haltung wider. Jeder Schritt, den ihr macht ist Politik. welches Personal ihr einstellt, ist reine Politiksache. Deswegen redet man auch von Personalpolitik. Das leben ist Politik und auch das Theater ist es, auch euer nächster Gang zum Supermarkt - ob ihr es wollt oder nicht.
Es gibt nur einen Lebensbereich, der völlig apolitisch ist und das ist die institutionelle Politik selber!

Wer mir erzählen will, dass er keine Politik betreibt, wenn er aus weissen Darstellern, somalische Piraten werden lässt, indem er ihnen schwarze Strümpfe über den Kopf zieht und mir einen Satz vorher von der Transformation von Persönlichkeiten in Raum und Zeit mit Hilfe der Kraft des darstellenden Könnens erzählt, der muss sich auf eine Menge "Leiden und Lernen" gefasst machen.

Und da wären wir auch bei dieser komischen Aussage vom Herrn Kusej. Wem prophezeit er denn eine "Phase des Leidens" voraus? Wie meint er das denn? Muss ich auch mit ihnen leiden Herr Kusej, oder bevorzugen sie es lieber alleine zu leiden?

Ich glaube eher, dass bei dieser Diskussion weniger das Leiden im Vordergrund stehen sollte, als die Freude, die man dabei empfindet, wenn man endlich seinen inneren Egomanen überwindet und lernt zu teilen! Das muss nicht immer mit Schmerz verbunden sein.

In den meisten Regionen dieser Welt kennt man das Gefühl. Den Verantwortlichen in den führenden Münchner Kulturinstitutionen fällt das anscheinend sichtlich schwer, was schade für sie ist, denn die Zeit verzeiht nicht. Keiner kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Ich genauso wenig, wie sie meine Damen und Herren von der Leid-kultur. Ich stehe eher auf Freude und die werde ich wohl am 9.12. im milla haben. Schade, dass Herr Kusej nicht kommt.Gerne hätte ich ihn näher interviewt ob seiner Aussagen in seinem netten SZ-Interview.


Komşu, Komşu Huhu!


Komşu, Komşu Huhu!
Oğlun geldi mi? Geldi.
Ne getirdi? Incik boncuk.
Kime kime? Sana bana.
Başka kime? Kara kediye.
Kara kedi nerde? Ağaca çıktı.
Ağaç nerde? Suya düştü.
Su nerde? Inek içti.
Inek nerde? Dağ çıktı.
Dağ nerde? Yandı bitti kül oldu.


Randnotiz:
Dieses Gedicht ist dada a la turca. Es besteht aus einem tiefsinnigen Dialog
zwischen zwei Nachbarn (Komşu). Es fängt an mit dem zurückgekehrten
Sohn und hört auf mit einem Berg aus Asche. Dazwischen bekommt ein
schwarzer Kater Perlen geschenkt, erklimmt Bäume und fällt ins Wasser,
von dem wiederum eine Kuh ihren Durst stillt und sich schließlich auf einen
Berg begibt. 
Das Gedicht gibt Einblick in die Bedeutung und  Verfasstheit türkischer 
Nachbarschaftsbeziehungen und verschafft darüber hinaus ein Eindruck über
die großartigen geographischen Verhältnisse Anatoliens sowie die spannende Lebensform
einheimischer Tiere. Zudem verweist der letzte Vers auf klimatische Gegebenheiten 
wie Trockenheit und Niederschlagsarmut. 
Das Migrantenstadl hat bereits einen Antrag beim Kultusminsterium gestellt,
diese seltene Blume - auch wenn sie sich nicht an Anna richtet - 
in den deutschen Bildungskanon aufzunehmen. In der Türkei bemühen sich Linke,
 die türkische Nationalhymne mit diesem Gedicht zu ersetzen.


 

Brauner Sumpf

"Es geht nicht darum, einen gefährdeten Jugendlichen von seinen Ansichten abzubringen, auch wenn sie noch so sehr schmerzen. Das ist unmöglich. Es geht vielmehr darum, ihn mit all den Widersprüchen, Lügen und Absurditäten zu konfrontieren, die den Faschismus und Nazismus kennzeichnen. Damit er selbst erkennt, welch trügerischem, zerstörerischem Ideal er nachjagt." 

(Aussteiger Ex- Neonazi Alexander  Nuffenegger, 2010)

Ein Kanake auf Reisen

produced by kitchen-connection 929, frankfurt-höxt, 2012.

Eingeengt im Kostüm der Vorurteile

Zwischen Buchsbaum und Plattenbau – Mafia Mord im Ghetto. Oder doch ein Ehrenmord? Eine Theaterkritik von Hakan Karakaya*



Die Wiederaufnahme des Theaterstücks „Tatort Paprikastraße“ von Emre Akal, welches bereits im Laboratorium Stuttgart aufgeführt wurde, feierte unter der Regie von Wilfried Alt am 2. Advent im ausverkauften Studio 1 des Stuttgarter JES Theaters seine Dernière.

Komm Türke, trinke deutsches Bier!

"Komm Türke, trinke deutsches Bier
Dann bist du auch willkommen hier
Mit Prost wird Allah abserviert
Und du ein Stückchen integriert
Ihr stinkt nach Knoblauch, lasst den weg
Esst Sauerkraut mit Schweinespeck
Und wer statt Kinder, Dackel dressiert
Der ist fast schon integriert."



(Cem Karaca - Die Kanaken, 1984, Willkommen)
Zum Musikclip geht es hier. 

Meldung des Jahres: Dönerbrot geworfen


Anstatt eines Reiseberichts


حالة حصار
Belagerungszustand


(c) Imad Mustafa, Qalandiya-Checkpoint, Palestine



Mensch bist du.
Oder nicht?
Checkpoint, Schranke, Terminal
All the same