Filmtip: Das Recht der Macht



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Ein Film von Raanan Alexandrovicz und Liran Atzmor, Israel, 2012
Der Film beginnt mit einer Selbstreferenz: Man sieht, wie das Filmteam in einem großen grünen Raum herumwerkelt und das Setting vorbereitet. Ein paar Männer rücken Holzplatten zurecht, bauen einen Tisch auf, einer putzt die Tischoberfläche gründlich ab, ein anderer fragt, ob man den Stuhl schon aufstellen könne. Die Filmlichter glühen bereits, die Mikrophone hängen. "Das ist der Anfang eines Dokumentarfilms" hört man eine Stimme aus dem Off sprechen. Man sieht nur noch einen Tisch und einen Stuhl, im Hintergrund eine wandgroße Filmprojektion, offensichtlich Archivmaterial.  

Die Stimme aus dem Off fährt fort: "In diesem Film werde ich ein Rechtssystem dokumentieren. Ein System, das die Rechtsstaatlichkeit in den von uns 1967 eroberten Gebieten organisiert. Es ist ein einzigartiges System. Nur wenige Menschen verstehen es in all seinen Facetten. Auch lohnt es sich, für einen Augenblick über den Begriff Gesetz nachzudenken." 

Zitat des Tages zum 21.11.2014


"Warum muss man seine Zeit verlieren, sich in Gesellschaft begeben, verliebt sein, anstatt zu arbeiten und Kunstwerke zu schaffen?"

                                                                                                                             (Gilles Deleuze)

CADAVER EYES aus Tel Aviv

Eran Sax von Cadaver Eyes in der a.k.d.k. München, Oktober 2014

Vor drei Wochen hatten wir das aufregendste Konzert des Jahres und die Wenigsten haben das mitgekriegt. Ein Höllenlärm und eine Basswucht sind im Salong der Münchner Kunstakademie derartig sang- und klanglos an der Masse vorbeigegangen, dass man sich fragt, ob München überhaupt noch hört, und wenn ja, auf wen. Ich hätte da einen Vorschlag. Cadaver Eyes, die Zwei-Mann-Noise-Band bestehend aus David Opp und Eran Sax aus Tel Aviv haben Substantielles zu sagen, nicht nur in Sachen Noise-Partitur, sondern auch in Sachen Gesellschaft, oder über das richtige Leben trotz falscher Politik. 10 Tage lang sind Cadaver Eyes auf Tour gewesen und haben 6 Konzerte hinter sich gebracht, in Italien, Frankreich, Schweiz und Deutschland. Kurz vor ihrem Konzert in München kursierte die Einladung im Internet mit einem aussagekräftigen Foto, auf dem ein zerbombtes Haus in Gaza zu sehen war. Es verbreitete sich das Gerücht, dass die Musiker Post-Zionisten seien. Was für eine Seltenheit in Deutschland, insbesondere in München: jüdische Post-Zionisten aus Israel. Tatsächlich stellte sich heraus, dass hier zwei außerordentliche Typen am Start waren, die eine grossartige Performance hingelegt haben. Im Anschluss war einer von beiden, David Oppenheimer, auch noch bereit für ein Gespräch, das ich im Folgenden minutiös transkribiert habe. Lest das Interview und betet Richtung Mekka, dass die Jungs bald wieder kommen.


Distanziert Euch nicht!




Mit dem stetigen Vormarsch der Miliz ISIS in Syrien und Irak verschärft sich auch hierzulande der Tonfall. Mit Nachdruck fordert die Mehrheitsgesellschaft und solche, die gerne dazugehören würden, immer wieder von hiesigen Muslimen, sich „vom Terrorismus zu distanzieren“. Inhalt, Vehemenz, als auch Häufigkeit dieser Forderung irritieren zutiefst.


Zitat des Tages

"Man lebt da unten gut. Die haben einfach alles: Laptops, Waffen, Knabberzeugs. Voll der Luxus."
Erhan A. aus Kempten über den IS

Österreich: Regierung will Religionsfreiheit für Muslime einschränken



Von Hannes Hofbauer*
Mit einem eigenen Islam-Gesetz soll künftig die Religionsausübung für moslemische Gläubige in Österreich staatlicher Kontrolle unterstellt werden. Finanzierung aus dem Ausland wird verboten, der Koran in einer deutschen Ausgabe kodifiziert.

Von der in Kunstharz gegossenen Polit-Szene ins schicke München: Matthias Lilienthal





Seitdem Herr Küppers Matthias Lilienthal als zukünftigen Intendanten der Münchner Kammerspiele ausgerufen hat, herrscht euphorische Aufbruchstimmung. Kaum ist die Berufung offiziell, twittert und posted die Kunstszene die Nachricht innerhalb weniger Minuten um die Welt und Unmengen an Fans beglückwünschen uns für das große Glück, sogar Ai Wei Wei und Marina Abramovic haben die Nachricht geliked; kein Scheiß!
Höchste Eisenbahn also den Mann abzuklopfen und nachzufragen, ob er nur Weißbrotgesichter glücklich machen möchte oder auch die restlichen 86% der Münchner Stadtbevölkerung.
Liebe Leserinnen und Leser, im Folgenden ist das exklusive Interview mit Matthias Lilienthal abgedruckt, der sich bereit erklärt hat aus Berlin über Libanon und Mannheim nach München zu reisen und einige Buchstaben und Worte sowie Sätze und Satzteile für das migrantenstadl aus dem Teig zu scheiden. Entstanden ist folgende Buchstabensuppe.

Propaganda

Die Lüge wird zur Tugend
wenn nichts anderes mehr bleibt
außer der Wahrheit.

Die Wahrheit wird zur unwahrscheinlichen Möglichkeit
die in Betracht zu ziehen
zum gesellschaftlichen Skandal verkommt.

Der Skandal wird zur Inszenierung
in der dem Publikum für eine kurze Weile
das Recht zugesprochen wird sich aufzuregen.

Das Recht wird zur Farce
das seines materiellen Charakters entblößt
sich in das Gewand der Mächtigen kleidet.

Die Mächtigen werden zu Sachwaltern
interesseloser Sachzwänge, fehlender Alternativen
so als ob es eben keine Macht der Handelnden gäbe.

Die Macht wird versteckt hinter Worten und Taten
die nichts zu sagen haben als das Scheinbare zu bewahren.

Worte und Taten, das Scheinbare
amalgamieren zu verdichteten Mauern
konturloser Realität
verändern sich und bleiben doch
ununterschiedene WIRK-lichkeit.

Die WIRK-lichkeit bleibt unbegriffen, unbedarft:
ohne Tugend, ohne Wahrheit, ohne Recht,
ohne Mächtige und Ohnmächtige
ohne die fabrizierte Macht des Scheins.

Was bleibt sind Worthülsen
in Konserven
steril verpackt
schwer zu k(n)acken
immer gleich im Geschmack.

Was bleibt ist Propaganda.

Zusammenhänge zwischen Ton und Tun



cuk cuk    [dschuk dschuk] (laut Milch trinken)
cup cup   [dschup dschup] (plantschend baden)
löp löp   [löp löp] (hastig essen)

föpür föpür   [föpür föpür] (intensiv rauchen)
zangır zangır   [sangr sangr] (basslastig musizieren)
fokur fokur    [fokurr fokurr] (köcheln lassen)

takır tukur   [takr tukr] (harte Geräusche verursachen)
patır kütür   [patr kütürr] (lärmend Tätigkeiten ausführen)
çatır cutur   [tschaturr tschuturr] (knuspernd Tätigkeiten ausführen)