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Paradoxer Zustand -- NSU-Prozess am Ende

Demonstration anlässlich der Urteilsverkündung im NSU-Prozess, München    (Foto: Anton Kaun)







 
"Fünf Jahre nach dem Prozess besteht der merkwürdig-paradoxe Zustand, so vieles über die deutsche Gesellschaft und ihre politischen Verhältnisse herausgefunden zu haben und trotzdem eigentlich nicht weiter zu wissen".  Dieser Satz von Lee Hielscher* erfasst ziemlich genau das, was nun nach der Urteilsverkündung im NSU-Prozess in der Luft liegt.  

"Eine Anklage gegen ihre Urteile" - Zum NSU-Tribunal

WWW.NSU-TRIBUNAL.DE








Anlässlich des Gesprächs an den Münchner Kammerspielen kommenden Montag über das bevorstehende NSU-Tribunal in Köln sei hiermit ein wunderbarer Text von Massimo Perinelli zur Einstimmung, Einführung, Reflexion und Mobilisierung wärmstens empfohlen. 





Eine Anklage gegen ihre Urteile

Massimo Perinelli*


Als
Mehmet Kubaşık und kurz danach Halit Yozgat am 4. und 6. April 2006 erschossen wurden, demonstrierten mehrere tausend fast ausschließlich türkischstämmige Menschen in Kassel für ein Ende der Mordserie. Dabei adressierten sie unter dem Motto »Kein 10. Opfer« den Staat und appellierten an dessen Innenbehörden, ihr Herz gegenüber der Trauer der Migrant_innen zu öffnen und endlich die Verantwortlichen dieser neunfachen Mordserie festzunehmen. Mehrere tausend Menschen meinten also zu wissen, dass der Staat und seine Organe, die ja offiziell behaupteten, unter Hochdruck zu ermitteln, ganz einfach, wenn sie nur wollten, den Terror gegen Nichtdeutsche stoppen könnten. Sie wussten es, weil sie aus ihrer Geschichte heraus verstanden haben, wie Rassismus funktioniert, weil sie sein Muster erkannten, als sie mit ihm konfrontiert wurden. Lautstark widersprachen sie den schreiend stummen Urteilen des Rassismus. Der tausendfache Aufschrei wurde jedoch weitgehend totgeschwiegen, bis auf wenige Presseartikel nahm niemand Notiz davon.