Migranten, vernetzt euch!


In der aktuellen Hinterland - ein Magazin vom bayerischen Flüchtlingsrat - führt Matthias Weinzierl, Chef des Blattes, ein babylonisches Interview mit mir zum Thema Vernetzung unter Migrant_innen. Ein Gespräch über Tscherkessen in München, vernetzte Identitäten und tolle Spielwiesen.
Hier geht's zum online-Text.

Wer die prächtige Printausgabe des Magazins  in den Händen halten möchte, wende sich an abo@hinterland-magazin.de oder direkt beim Bayerischen Flüchtlingsrat unter: (089) 762234

In eine bessere Zeit gelebt



Immerdar Gedanken vom Besseren, vom Vergangenen, vom Zukünftigen — wie wenig wir doch in der Gegenwart leben, wie wenig wir uns dessen bewusst sind; immerzu sind wir in einer anderen Zeit, einem anderen Raum, nie sind wir bei uns selbst. Vielleicht ist das unser größtes Problem?

21st century democracy

von Jason Koonce


The 'gun fight on Capitol Hill' in America is a sign of the times it seems. On the one hand practically the whole world serves evidence that guns are not the answer. Of course, Americans have never been very receptive to what the world is doing outside of food and fashion, Middle East oil, and German engineering so it's really no surprise. Also, I'm not talking about the fact that any part of the world is free of gun violence either. Just that, rational folks can see that while people are the problem, guns also make it too easy to kill.

Was für ein Theater - Verrücktes Blut




      Wie viele Erfolgs-Kanacken verträgt das Land?       
Text: Hakan Karakaya                          
Foto: Robert Westrich


„Ich bin zwar nicht deiner Meinung, aber ich würde mein Leben dafür geben, damit du sie frei äußern kannst!“. Mit einer unglaublichen Ehrlichkeit und dem geschickten Umgang mit Klischees feierte das Berliner Erfolgsstück „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje im Theaterhaus Stuttgart am 15. Januar 2013 eine weitere glanzvolle Darbietung. Das Stück wird seit dem 12. Oktober 2012 vom nomadtheatre ensemble unter Regie von Daniel Klumpp aufgeführt. 


Der Theaterunterricht beginnt und die Lehrerin, gespielt von Elif Veyisoğlu, verkündet das Thema des Projekttages.

Do you feel more like a Turk or like a German?



  
Pınar Karabulut* was born in Germany, Mönchengladbach as a child of so called guestworkers. She gave a lecture about acccidental racism, neccessary education and other city stories at the Munich City Lab carried out by SpielART within the framework of the artistic programme GLOBAL CITY - LOCAL CITY. The text and the fotos below were part of her lectureperformance. 



Atlantropa - Albtraumtropa



 
Albtraumtropa

Text: Hakan Karakaya
Foto: DigiPott
    
Erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit und an die Schule, in die Sie nicht gehen wollten. Erinnern Sie sich an den grauenhaften Geschichtsunterricht, der einfach nicht vergehen wollte. Willkommen zur Premierenvorstellung von „Atlantropa“ – 100 Minuten, in der man sich genau so fühlte.
Die SchauBurg, die als Schauplatz dieses Bühnendebakels fungierte, hat unter Regie von Sebastian Linz am 14.02.2013 zu einer Vorstellung eingeladen, die an Mittelmäßigkeit kaum zu übertreffen war. 

NSU-Hinterbliebene sagt nein zu Gauck

Am heutigen Dienstag trifft sich Bundespräsident Gauck im Schloss Bellevue mit Angehörigen der NSU- Opfer. Nachdem er noch im November ein solches Treffen aus scheinbar mangelndem Interesse abgelehnt hatte, scheint es ihm nun politisch opportun zu sein.
Das Migrantenstadl dokumentiert im Folgenden den Offenen Brief von Aysen Tasköprü, Schwester des 2001 ermordeten Süleyman Tasköprü, in dem sie ihre Absage an dem Treffen begründet.

Theaterkritik: Liebe ist...kein Argument.




 Einigkeit um Recht und Freiheit? 

Text: Hakan Karakaya
Foto: Haydar Sokul

„Liebe ist... kein Argument“ heißt das Debütstück von Marianna Ölmez, das sie selbst geschrieben, inszeniert, produziert und darin die Hauptrolle gespielt hat.

Am 31.01.2013, dem Abend der Premiere, reiht sich die Kassenschlange der Pasinger Fabrik bis zur Eingangtür, mit buntgemischtem Publikum, das gespannt ansteht, in der Neugierde, ob die zahlreichen Vorankündigungen in Rundfunk und Print halten werden, was versprochen wurde.

Politik am Theater

Am 9.12. wird im Milla (München) darüber diskutiert werden, was für ein Theater wir eigentlich haben. Damit es schön heiss und feucht wird, hat der Münchner Kültürke Tuncay Acar wieder ein paar warme Worte einfließen lassen. Da öffnen sich die Poren, die Tiefenreinigung kann beginnen.
von Tuncay Acar

Ich unterstelle dem hiesigen Kulturbetrieb, dass es bei der Nutzung der Begriffe und Phänomene "Migration", "Kulturelle Vielfalt" in Förderanträgen und Programmabläufen in der Regel nicht um die Phänomene an sich geht, sondern oft nur um ihren momentanen Hipnessfaktor, der durch ihre politische Relevanz und Präsenz gegeben ist.
Also erklärt man die Leid zur Tugend und nutzt die Gelegenheit dazu, mit eher ausgefallenen Inhalten (mit denen man sich ja wegen kulturpolitischen Vorgaben leider beschäftigen muss) etwas Leben ins verknöcherte Repertoire zu bringen.

Die Dringlichkeit liegt sozusagen nicht im Thema selbst, sondern darin, der inneren Leere der lokalen Hochkultur zu entfliehen, - im Rahmen eines gesellschaftspolitisch abgesicherten Manövers. Gleichzeitig aber, und das ist der wesentlich wichtigere Punkt, kann man dadurch die Erfolgsquote bei Förderanträgen alleine durch die Nennung dieser Begriffe prozentual um einiges erhöhen.

Das Thema an sich, also die relevanten Inhalte und der Umgang mit ihnen ist - Allah möge es ihnen verzeihen - im deutschen Kulturbetrieb oft nebensächlich. Und von Nachhaltigkeit keine Spur. Dies führt dazu, dass nach Jahrzehnten der Rede vom "Öffnen der Kulturbetriebe zur Gesellschaft hin" eher eine allgemeine Entwicklungsstagnation fortfährt.
 
>>Wir machen sehr wohl 
Politik<<

Erhebt man den Anspruch auf eine Spiegelung der heterogenen Gesellschaft im deutschen Kulturbetrieb, der in den gesellschafts- politischen Vorgaben bereits gefordert wird, redet sich mancheiner heraus mit dem Verweis auf einen hohen künstlerischen Anspruch, der dem kulturpolitischen Anspruch vorangestellt werde: "wir machen Hochkultur, nicht gesellschaftlich relevante Kulturpolitik" (Zitat eines Dramaturgen, der gerade bei den Kammerspielen ein Stück betreut). Dann muss man aber auch im Klartext sagen: "Wenn wir zu viele Migrationsvorderhintergründler, Moslems, Menschen mit dunkler Hautfarbe, Flüchtlinge, Asyltrallalla etc. in selbstbestimmter Art in die Strukturen des Kulturbetriebes eingreifen lassen, dann gefährden wir unseren hochkulturellen Anspruch zu sehr. Das können wir uns nicht erlauben".  Ich finde diese Haltung unverschämt!

Ausserdem muss man an dieser Stelle den VertreterInnen der grossen Deutschen Kulturinstitutionen klarmachen, dass sie sich auch in einem weiteren Punkt gewaltig irren. Denn wir machen alle sehr wohl Politik! Alleine die Verwendung des Begriffes 'Hochkultur' ist die Ausübung von Politik, denn es spiegelt eine politische Haltung wider. Jeder Schritt, den ihr macht ist Politik. welches Personal ihr einstellt, ist reine Politiksache. Deswegen redet man auch von Personalpolitik. Das leben ist Politik und auch das Theater ist es, auch euer nächster Gang zum Supermarkt - ob ihr es wollt oder nicht.
Es gibt nur einen Lebensbereich, der völlig apolitisch ist und das ist die institutionelle Politik selber!

Wer mir erzählen will, dass er keine Politik betreibt, wenn er aus weissen Darstellern, somalische Piraten werden lässt, indem er ihnen schwarze Strümpfe über den Kopf zieht und mir einen Satz vorher von der Transformation von Persönlichkeiten in Raum und Zeit mit Hilfe der Kraft des darstellenden Könnens erzählt, der muss sich auf eine Menge "Leiden und Lernen" gefasst machen.

Und da wären wir auch bei dieser komischen Aussage vom Herrn Kusej. Wem prophezeit er denn eine "Phase des Leidens" voraus? Wie meint er das denn? Muss ich auch mit ihnen leiden Herr Kusej, oder bevorzugen sie es lieber alleine zu leiden?

Ich glaube eher, dass bei dieser Diskussion weniger das Leiden im Vordergrund stehen sollte, als die Freude, die man dabei empfindet, wenn man endlich seinen inneren Egomanen überwindet und lernt zu teilen! Das muss nicht immer mit Schmerz verbunden sein.

In den meisten Regionen dieser Welt kennt man das Gefühl. Den Verantwortlichen in den führenden Münchner Kulturinstitutionen fällt das anscheinend sichtlich schwer, was schade für sie ist, denn die Zeit verzeiht nicht. Keiner kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Ich genauso wenig, wie sie meine Damen und Herren von der Leid-kultur. Ich stehe eher auf Freude und die werde ich wohl am 9.12. im milla haben. Schade, dass Herr Kusej nicht kommt.Gerne hätte ich ihn näher interviewt ob seiner Aussagen in seinem netten SZ-Interview.


Komşu, Komşu Huhu!


Komşu, Komşu Huhu!
Oğlun geldi mi? Geldi.
Ne getirdi? Incik boncuk.
Kime kime? Sana bana.
Başka kime? Kara kediye.
Kara kedi nerde? Ağaca çıktı.
Ağaç nerde? Suya düştü.
Su nerde? Inek içti.
Inek nerde? Dağ çıktı.
Dağ nerde? Yandı bitti kül oldu.


Randnotiz:
Dieses Gedicht ist dada a la turca. Es besteht aus einem tiefsinnigen Dialog
zwischen zwei Nachbarn (Komşu). Es fängt an mit dem zurückgekehrten
Sohn und hört auf mit einem Berg aus Asche. Dazwischen bekommt ein
schwarzer Kater Perlen geschenkt, erklimmt Bäume und fällt ins Wasser,
von dem wiederum eine Kuh ihren Durst stillt und sich schließlich auf einen
Berg begibt. 
Das Gedicht gibt Einblick in die Bedeutung und  Verfasstheit türkischer 
Nachbarschaftsbeziehungen und verschafft darüber hinaus ein Eindruck über
die großartigen geographischen Verhältnisse Anatoliens sowie die spannende Lebensform
einheimischer Tiere. Zudem verweist der letzte Vers auf klimatische Gegebenheiten 
wie Trockenheit und Niederschlagsarmut. 
Das Migrantenstadl hat bereits einen Antrag beim Kultusminsterium gestellt,
diese seltene Blume - auch wenn sie sich nicht an Anna richtet - 
in den deutschen Bildungskanon aufzunehmen. In der Türkei bemühen sich Linke,
 die türkische Nationalhymne mit diesem Gedicht zu ersetzen.