Tscherkessischer Migrationshintergrund inspiriert!


Der Tscherkessische Kulturverein München im Filmfieber
 

Mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung produzieren junge Mitglieder des Tscherkessischen Kulturvereins München-Xase seit einigen Monaten eine Reihe von Kurzfilmen. In den Beiträgen werden Diaspora-Tscherkess_innen aus mehreren Generationen porträtiert. Die Filmemacher sehen das Projekt als Chance, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen und gleichzeitig ein breites Publikum auf die Existenz eines fast vergessenen Volkes aufmerksam machen. Die Ergebnisse sollen im Rahmen eines Filmtages in München gezeigt werden.


Selbstgedrehte Filme haben eine lange Tradition unter den jungen Tscherkess_innen in München. Drei Engel für Enver titelt der erste Film, der vor etwa 15 Jahren entstand. In ihr parodieren drei Münchner Tscherkessinnen die Kultserie Drei Engel für Charlie. Dabei wird der Boss Charlie durch den damaligen Vorsitzenden des Tscherkessischen Kulturvereins Enver Mutlu ersetzt - ein geachteter Mann dessen Herkunft sich in seinen Gesichtszügen erahnen lässt. Die drei Darstellerinnen Funda Mutlu, Tugba Önder und Vildan Taner setzten damals den gesamtem Film von der Idee bis zur Realisierung in eigener Regie um.


In den folgenden Jahren entstehen weitere Aufnahmen, in den Privatwohnungen, Proberäumen, in den Vereinssälen und im öffentlichen Raum. Überall, wo Tscherkess_innen zusammenkommen oder auf Gleichgesinnte treffen, bringt der kreative Drang die unterschiedlichsten Formate hervor – dokumentarische Aufnahmen, Musikvideos Tanzaufnahmen, experimentelle Stummfilme bis hin zu Reportagen. Ein weiterer Höhepunkt folgt 2007: Der einminütige Clip „Adige Psase“ bringt  30.000 Clicks auf YouTube ein und entfacht in der europäischen Tscherkess_innen-Community eine Diskussion - unter anderem über Umgang mit Traditionen. 


Auf der internationalen Tscherkess_innen-Konvention in München 2010 werden zum ersten Mal eine Reihe an Kurzfilmproduktionen öffentlich gezeigt. Um die filmische Auseinandersetzung zu einer festen Konstante zu machen wird das Filmforum im Münchner Verein ins Leben gerufen: Eine Plattform, auf der Filminteressierte sich austauschen, gegenseitig anregen und Filmprojekte initiieren können. Die Möglichkeit, sich selbst und die eigene Identität zu inszenieren, aber auch kulturelle Ansprüche und Erwartungen zu thematisieren, reizt die jungen Adygeyer – wie sie sich selbst nennen. Der Aufbau des Filmforum wird von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt. Momentan arbeitet die Filmgruppe an einem Dokumentar-Filmprojekt. 

 
In München leben geschätzte 700 Tscherkess_innen, seit fast 50 Jahren gibt es den Kulturverein, aber die allerwenigsten Münchner haben jemals von der Existenz dieser Volksgruppe gehört. „Keiner versteht mich, wenn ich sage, dass ich Tscherkessin bin“ sagt Anja Abregg, gebürtige Münchnerin und Teilnehmerin des aktuellen Filmprojekts. Anja's Eltern kommen aus Kfar Kama, einem Tscherkessischen Dorf in Israel. Anja spricht fließend tscherkessisch und möchte nicht mehr ewig erklären müssen, woher sie kommt.

In Zukunft plant das Filmforum München-Xase regelmäßig Workshops durchzuführen, in denen Ideen gesponnen, umgesetzt und notwendige Skills vermittelt werden. Alle Filme sollen in einen Katalog systematisch gesammelt und auf Festen und Veranstaltungen gezeigt werden.







Gedreht wird von München bis Münster. Hier: Auf dem Tscherkess_innen-Festival in Münster 2012. Madin, junger Tscherkesse aus Oslo und Diyane, junge Tscherkessin aus Nürnberg.



Dreharbeiten im Kulturhaus Import-Export.












Die 1. Generation Tscherkessen in München erzählen ihre Geschichte. Die 2. und 3. Generation dokumentieren akribisch.


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