Integrasyondiskurs

Mehr Dadaisierung statt Kelekisierung
Eine Replik auf die „Rede zum unmöglichen Theater“ des Autors Wolfram Lotz

Kandur Photography ©   
Değerli arkadaşlar,
Brüder und Schwestern. 
man hat versucht, uns zu erzählen, dass wir deutsch lernen müssen.
Das stimmt, aber wir wollen es nicht!
Man hat versucht, uns zu erzählen, dass wir uns integrieren müssen.
Das stimmt, aber wir wollen es nicht!
Über Jahrzehnte hat man versucht uns zu erzählen, dass wir irgendwann heimkehren müssen. Auch wenn das stimmt, wir wollen es nicht! und selbst wenn, dann müssen das alle anderen auch, denn wir sind nicht die einzigen verdammten Gäste auf dieser verdammten Erde!

In memoriam Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Yunus Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Michele Kiesewetter, Halit Yozgat

In Berlin fand heute die zentrale Gedenkfeier für die Opfer der neonazistischen Mord-und Terrorserie statt. Erstmals durften auch Angehörige der Opfer in einem offiziellen Rahmen zu Wort kommen und der erlebten Trauer aus ihrer eigenen Perspektive Ausdruck verleihen.

Wörterayntoff II


sazburk
würsburk
rosinhaym

ulüm
nürümberk
manhaym

sendigga tör
hasamberk
pasink

gastavuz
bressi
semil
frischtik

loschtiyegart
grangart

arbeistam
finansam
bafikam
gudi notin

firohe vaynah!
firohe ostin!
gudi jahr!



*Danke an alle diejenigen, die mir bei der Suche nach Zutaten für den Wörterayntoff geholfen haben.

Adiós, Häuptling!

Noch Ober-Ordnungshüter Christian W. beim Rauchen einer Chillum...      


Empört Euch Nicht!






   Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten,wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.
   Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?

"Liebe Afrikaner"




Der diesjährige Migrantenstadl-Filmpreis geht an den Film von Alexander Lehmann
Der Preis ist mit einer Bootsfahrt über den Bosporus inklusive Tee und Simit-Breze dotiert. Die Begründung der Jury: Der Film bringt ein kleines Stück mehr Transparenz in unsere Demokratie!

1946? 2012?

Es gibt natürlich keinen Grund, warum der neue Totalitarismus dem alten gleichen sollte. Ein Regieren mittels Knüppeln und Exekutionskommandos, mittels künstlicher Hungersnöte, Massenverhaftungen und Massendeportationen ist nicht nur unmenschlich (darum schert sich heutzutage niemand viel); es ist nachweisbar leistungsunfähig - und in einem Zeitalter fortgeschrittener Technik ist Leistungsunfähigkeit die Sünde wider den Heiligen Geist.
Ein wirklicher leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, die zu gar nichts gezwungen werden brauchen, weil sie ihre Sklaveri lieben. Ihnen die Liebe zu ihr beizubringen ist in heutigen totalitären Staaten die den Propagandaministerien, den Zeitungsredakteuren und Schullehrern zugewiesene Aufgabe.

Aldous Huxley, 1946

aktueller bericht aus paris

rue de rosier, 2011



malakoff, 2011
centre pampidou, 2011



regenwolken ziehen am himmel umher, es regnet immer wieder, aber nur zwischendurch. die straßen sind nass, überall pfützen. amira hat mich eben am gare de l'est abgeholt, wir haben zuerst eine zigarette geraucht und seitdem nicht aufgehört damit. ganz schön viele kanacken gibt es hier, ich fühl mich richtig wohl, soviele araber und afrikaner habe ich in europa noch nie gesehen, sie reden alle ein gemisch an französisch und arabischen und afrikanischen Dialekten, für meine ohren manchmal kaum zu unterscheiden. hier sind die orientalischen imbissbuden gemütlicher als die türkischen neonröhrendönerläden in deutschland. 

wir haben eine bleibe in einem der melancholischen randgebiete, in malakoff, 16 stationen vom bahnhof entfernt, an der endstation porte d'orléans und dann mit dem bus links, recht, links, mitten im banlieu. es gibt soviel altbau in malakoff, obwohl es am stadtrand liegt, alles ist ein wenig abgefuckt, mir gefällt es, und alle häuser mit balkon, und viel ziegelstein.

metro zu fahren ist ein eigener genuss, klein, eng, gedrängt, geschäftsmänner lesen el pais, zu meiner freude kommt ab und an ein akkordeonspieler rein. und gestern hat siche eine gruppe von 6 geigern, einem bassisten, einem cellisten und einem dirigenten in der metro am châtelet aufgestellt, mitten im durchgang von einer linie zur anderen, standen sie stolz da und haben musiziert - die pariser gang! ich habe mir vorgenommen, den musikern geld zu geben statt fahrscheine zu kaufen, zur abwechslung mal sinnvolle illegalitäten. wenn kein wärter da ist, löst amira ein ticket und ich quetsche micht mit ihr zusammen durch die schranke. das geht ziemlich locker, es wird kaum kontrolliert in der stadt, nur manchmal an den ausgängen, da wollen sie die gelösten tickets sehen. 

wenn es mir nicht passt, tu ich so, als würde ich nichts verstehen, und oft verstehe ich auch nichts, aber mein französisch ist besser als das englisch der pariser, oder sagen wir der französischen pariser. ein glück für mich, weil sie nicht ihre englischkenntnisse bei mir proben wollen, also spreche ich französisch, vollkommen fehlerhaft und immer ohne subjonctive. 

und wir tun kaum etwas anderes als in den straßen umher zu laufen, metro zu fahren oder in einem der vielen kleinen cafes zu entspannen. die letzten 2 tage sind wir bis zur erschöpfung spazieren gegangen. da kam uns das centre pampidou mitten in der stadt vor wie eine oase: im erdgeschoss lief die videodans-ausstellung, ein ganzer tag lang pina bausch im kinosaal, frei zugänglich, still, dunkel und warm. der perfekte ort, um ein nickerchen zu halten. 

und in der nähe vom centre pampidou hat amira den besten falaffel-laden in paris entdeckt, ma'nouche, ein libanese. die machen sowieso den besten falaffel, das war in heidelberg so und in münchen auch. 4 stühle, 2 tische und eine theke. ich habe das gefühl hier sind nur araber. aber zwei straßen weiter treffen wir einen iraner, abdi, ihm gehört der schicke secondhandshop, in dem ich einen abgerockten ledermantel anprobiere, der viel zu teuer ist. das erinnert mich an berlin. typische großstadtallüre. wir haben eine ganze stunde mit dem mann über politik gequatscht, gesprächig sind sie hier, nicht nur die zugewanderten. der iraner hat sich als marxist entpuppt, der aus dem iran geflohen ist, nach einigen jahren moskau lebt er nun seit 26 jahren in paris. seine beiden kinder studieren an der sorbonne, ökonomie und juristerei, und sein sohn geht jeden freitag in die moschee, zum beten. 

irgendwie hat hier jeder seine geschichte und die steht den leuten gut. und am rue de rosier laufen besonders viele solcher figuren durch die gassen. hier scheinen lumpen aus dem 2. weltkrieg in kombination mit 200 euro dogs en vogue zu sein und das zu recht, es sieht wirklich fantastisch aus, und dieses ganze ambiente mitten im jüdischen viertel mit synagogen, jüdischen buchhandlungen, kosheren esslokalen und ernsthaften juden. ob ich ivrit spreche hat mich ein rabbi gefragt und hat sich schließlich auf jiddisch mit mir verständigt. vor freude habe ich mir eine pinke wolljacke gekauft und einem senegalesen aus nyc tscherkessischen folkloretanz beigebracht. das nächste mal möchte ich wieder eine ganze schachtel zigaretten an charmante schnorrer verteilen, wolof hören und ein konzert von amel mathlouthi besuchen.

 

Sabine Schiffer im Interview



In der Tageszeitung junge welt erschien am 3. Dezember ein ausführliches Interview mit der Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer vom Nürnberger Institut für Medienverantwortung.